Coldiretti
Coldiretti (italienisch für „Kalte Kette“) bezeichnet im agrarökonomischen Kontext eine spezifische Form der vertikalen Integration in der Lebensmittelkette, bei der landwirtschaftliche Erzeugnisse ohne zwischengeschaltete Verarbeitungs- oder Handelsstufen direkt vom Primärproduzenten an den Endverbraucher vermarktet werden. Der Begriff leitet sich von der fehlenden thermischen Behandlung oder Kühlung der Produkte ab, was eine ununterbrochene Kühlkette voraussetzt. In der Praxis umfasst Coldiretti-Modelle häufig Hofläden, Ab-Hof-Verkauf, Wochenmärkte oder Liefergemeinschaften, bei denen frische, unverarbeitete Produkte wie Milch, Fleisch oder Obst direkt abgegeben werden. Rechtlich ist dieses Vertriebskonzept in der EU durch die Verordnung (EU) Nr. 1308/2013 über gemeinsame Marktorganisationen sowie nationale Durchführungsbestimmungen zur Direktvermarktung geregelt. In Österreich und Deutschland unterliegen Coldiretti-Strukturen den jeweiligen Hygieneverordnungen (z. B. LMHV) und erfordern eine Registrierung als Lebensmittelunternehmen. Die Wirtschaftlichkeit solcher Modelle hängt maßgeblich von der Reduktion von Transaktionskosten und der Erzielung von Direktvermarktungspreisen ab, wobei logistische Herausforderungen wie die Aufrechterhaltung der Kühlkette und die begrenzte Reichweite zu berücksichtigen sind.
