LK-Vollversammlung fordert faire Rahmenbedingungen für europäische Sojaproduktion, realistische Klimabilanzierung im Forstbereich und Stärkung der tierärztlichen Versorgung
Resolutionen zu Sojaöl, Klimaschutzleistungen des Waldes und tierärztlicher Versorgung beschlossen
Die Vollversammlung der Landwirtschaftskammer Oberösterreich hat sich bei der heutigen Sitzung mit zentralen Fragen für den Ackerbau, die Forstwirtschaft und die Tierhaltung befasst. Im Mittelpunkt standen die geplante Einstufung von europäischem Sojaöl als Risikorohstoff, die Anrechnung von Holzprodukten in der Klimabilanzierung sowie die Weiterentwicklung des Tiergesundheitsdienstes und der tierärztlichen Versorgung. Positiv bewertet wurde dabei die geplante Einrichtung einer Außenstelle der Veterinärmedizinischen Universität Wien in Oberösterreich.
Europäisches Sojaöl darf nicht benachteiligt werden
Mit mehr als 22.000 Hektar Anbaufläche zählt Soja zu den wichtigsten Ackerkulturen Oberösterreichs. Die von der Europäischen Kommission geplante Einstufung von Sojaöl als Rohstoff mit hohem Risiko für indirekte Landnutzungsänderungen (iLUC) würde europäisches Soja faktisch aus der Biodieselproduktion ausschließen und damit die gesamte Wertschöpfungskette unter Druck setzen. Die Vollversammlung fordert daher die österreichische Ablehnung dieser Einstufung auf europäischer Ebene weiterhin konsequent zu vertreten und sich für eine differenzierte Bewertung von europäischem Soja entsprechend seiner tatsächlichen Nachhaltigkeitsleistung einzusetzen.
„Europäisches Soja ist nachweislich nachhaltig und entwaldungsfrei. Eine pauschale Einstufung als Risikorohstoff wäre nicht nachvollziehbar und würde die gesamte Wertschöpfungskette unnötig belasten“, betont LK-Präsident Franz Waldenberger.
Holzprodukte für Klimaschutzleistung des Waldes anrechnen
Mit einer weiteren Resolution fordert die Vollversammlung eine Reform der europäischen Verordnung zur Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft (LULUCF). Die bestehenden Regelungen berücksichtigen wesentliche Klimaschutzleistungen der Forstwirtschaft nur unzureichend. Insbesondere die langfristige CO₂-Speicherung in Holzprodukten wird derzeit nicht vollständig erfasst. Gleichzeitig beeinflussen Sturmereignisse, Trockenheit, Schädlingsbefall und andere Folgen des Klimawandels die Senkenleistung der Wälder zunehmend. Die geltenden Zielvorgaben werden dieser Entwicklung aus Sicht der Landwirtschaftskammer nicht ausreichend gerecht. Die Vollversammlung der Landwirtschaftskammer spricht sich für eine stärkere Berücksichtigung von Holzprodukten in der CO₂-Bilanzierung, eine EU-weite Gesamtbilanzierung sowie realistische Zielvorgaben für die Senkenleistung der Wälder aus.
„Holz speichert Kohlenstoff langfristig und ersetzt CO₂-intensive Materialien. Diese Klimaschutzleistung muss in den europäischen Bilanzierungsregeln vollständig berücksichtigt werden“, fordert Waldenberger.
Tiergesundheitsdienst modernisieren und tierärztliche Versorgung absichern
Ein weiterer Schwerpunkt der Vollversammlung war die Weiterentwicklung des Tiergesundheitsdienstes. Die Landwirtschaftskammer begrüßt die laufenden Bemühungen zur Modernisierung der Rechtsgrundlagen und fordert die rasche Schaffung eines zeitgemäßen, modularen Systems, das unterschiedliche Betriebsstrukturen und Betreuungsmodelle besser berücksichtigt. „Der Tiergesundheitsdienst braucht eine moderne Rechtsgrundlage, die unterschiedliche Betriebsstrukturen und Betreuungsmodelle besser berücksichtigt. Damit können Tiergesundheit, Lebensmittelsicherheit und eine wirksame Bestandesbetreuung langfristig abgesichert werden“, betont Waldenberger.
Von entscheidender Bedeutung sei darüber hinaus die langfristige Sicherung der tierärztlichen Versorgung im ländlichen Raum. Vor diesem Hintergrund begrüßt die Landwirtschaftskammer ausdrücklich die nun fixierte Kooperation zwischen dem Land Oberösterreich, der Veterinärmedizinischen Universität Wien und dem Landwirtschaftsministerium zur Einrichtung einer Vetmed-Außenstelle in Oberösterreich. Die neue Außenstelle soll als Ausbildungs- und Forschungsstandort für Wiederkäuer-, Schweine- und Geflügelmedizin dienen und die Ausbildung von Studierenden stärker mit der Praxis in den Regionen verknüpfen. Geplant sind klinische Ausbildungsmodule in Zusammenarbeit mit regionalen Tierarztpraxen sowie Fort- und Weiterbildungsangebote.
„Die neue Vetmed-Außenstelle ist ein wichtiger Schritt, um mehr junge Tierärztinnen und Tierärzte für die Nutztierpraxis zu gewinnen und die Versorgung im ländlichen Raum langfristig abzusichern“, so Waldenberger.
Rechnungsabschluss 2025 beschlossen
Die Vollversammlung hat außerdem den Rechnungsabschluss für das Jahr 2025 mit den Stimmen von vier der fünf vertretenen Fraktionen beschlossen. Trotz herausfordernder Rahmenbedingungen weist der Jahresabschluss 2025 einen geringfügigen Überschuss in der Höhe von rund 221.000 Euro aus. Grundlage dafür waren eine konsequente Haushaltsführung sowie Verbesserungen auf der Einnahmenseite.

